Heimvolksschule Fürstenstein


für besonders Interessierte empfehle ich meine Fürstensteiner Seite, welche auf meinem lokalen Rechner hausnr13 (online von 7-22 Uhr) zu finden ist.

...oder mein Jahr im Internat, genauer gesagt im Knabeninstitut der Englischen Fräulein. Eine Heimvolksschule die nun leider mangels Ordensnachwuchses geschlossen wurde.

Es gab einige lustige Anekdoten, die ich hier allen zugänglich machen möchte, um den Betrieb in einer Knabenschule genauer zu beschreiben.
 

Ein Sonntag begann normalerweise wie jeder Tag mit dem lästigen Aufstehen und dem Waschen (Oberkörper frei).
Letzteres erfolgte in einem weißgekachelten Raum, wo in einer Zweierreihe unzählige Waschbecken mit nur einem Hahn montiert waren, woraus man lediglich kaltes Wasser entnehmen konnte.

Die Handtücher waren sorgfältig am Tag zuvor in einem Trockner deponiert worden, der zu jeder Stange die passende Wäschenummer enthielt, die auf jedem noch so kleinen Kleidungsstück eingenäht war.

Man wusch sich, putzte sich die Zähne und Sr. Immolata mahnte ab und zu zur Eile.
Im normalen Werktagsgewand zogen wir wie eine Karawane hinauf über die enge Steinwendeltreppe zum Dachboden, wo sich die Kleiderschränke der einzelnen Schulkameraden befanden.
Dort entnahmen wir die Sonntagskleidung, welche bei mir aus einem Samtsakko, Hemd mit Selbstbinder, einer Stoffhose und etwas zu starrigen schwarzen Halbschuhen bestand.
So umgekleidet ging es dann zum Frühstück.
Dort gab es dann wieder den guten Malzkaffee, jedoch diesmal statt Marmelade Nutella und frische Semmeln.

Da wieder (wie so oft trödelten wir herum) Eile geboten war, wurden schnell die Semmeln mit Butter und Nutella geschmiert und verzehrt.
Nachdem der Tisch abgeräumt wurde, das Besteck gespült (jeder hatte dazu sein eigenes Besteck mit Serviette), ging es im Gänsemarsch je nachdem ob es geregnet hat über die Gänge des Hochschlosses oder bei trockenem Wetter quer über den Hof zur Kirche, welche sich seltsamerweise unter unserem Schlafsaal befand.

Durch die Enge in den Bänken, dem Ersticken nahe, hoffte jeder wohl auf das Ende des Gottesdienstes, um endlich wieder an die frische Luft zu kommen. Man kann über die Predigten eingentlich nicht meckern. Sie waren immer interessant.
Kaum war der letzte Ton der Orgel verklungen ging es auch schon wieder in Richtung Wendeltreppe, hinauf über die Granitstufen zum Dachboden, um die wertvolle Kleidung nicht übermäßig zu strapazieren und das Werktagsgewand über zu ziehen.
Nun hatte man noch Zeit sich etwas im Freizeitraum, welcher sich vor unserem Schlafsaal befand, aufzuhalten und uber dieses und jenes zu quasseln.
Gegen Mittag setzte sich die Karawane wieder in Bewegung. Diesmal in Richtung Speisesaal. Wir hatten einen eigenen Raum, der durch eine Schiebetür von den übrigen Klassen getrennt war. Dieser hatte noch eine Tür die in die Konventräume der Schwestern führte und einen etwas versteckten Zugang zur Empore der Pfarrkirche.

Zwei unserer stärksten Klassenkameraden waren auserkoren das Essen von der Küche im Erdgeschoß heraufzutragen. Das müssen ganz schöne Gewichte gewesen sein, wenn man die Kochtöpfe so sah. Ich war leider immer zu schwach und zierlich, um in die engere Wahl zu kommen.
Meistens gab es Suppe, dann ein Fleischgericht. Im Sommer gab es dann das beste Speiseeis, das ich bisher gegessen habe. Zwar immer nur eine Sorte, aber da bekam man für gute Noten noch einen Nachschlag, oder weil man irgendwann mal beim Aufräumen geholfen hatte und so hatte man Mühe den großen Eisberg weg zu schlabbern.

Dann folgte wieder die Zeremonie mit dem Abspülen der Bestecke. Danach gingen wir ins Erdgeschoß hinunter, an der Küche und Waschküche vorbei (es roch dort immer so nach Seife) zu unserer Garderobe, wo wir in Jacken und festeren Schuhen schlüpften.
Ich glaube, es gab keinen Sonntag, wo nicht ein Spaziergang gemacht wurde. Entweder ging es durch den Ort, durch die angrenzenden Wälder, einmal nahmen wir sogar an einer Wanderung eines Ortsvereines teil, wo wir dann schweißgebadet zurückkamen, wahrscheinlich mit ein paar Pfunden weniger.

Gegen 15 Uhr fand man sich wieder im Freizeitraum ein. Jeder bekam dann sein "Kracherl" (weißes oder gelbes Limo) und durfte seine "Süssigkeitsschachtel" vom Schrank holen.

Wer die Süssigkeitsschachtel wohl erfunden hat, konnte nie geklärt werden, jedoch war sie ein gutes Instrument, um den Verzehr von diesen schädlichen Sachen etwas zu steuern. Ich glaube, ich hatte während des Internatsjahres kein einziges mal Zahnweh.
Nun gut. In diese Schachtel wurden all die leckeren Dinge gelegt, die wir von zuhause mitbekamen und durften nur sonntags gegessen werden.

Das war vielleicht ein Fest. Das süße Limo und die leckeren Dinge. Die Situation hatte den Vorteil, dass meistens zuviel davon verzehrt wurde und da war einem dann wieder so schlecht, dass es uns bis zum nächsten Sonntag gereicht hat.

Nach der Schlemmerei konnte gespielt oder gelesen werden. Sr. Immolata hatte eine wahre Spielesammlung. Jedoch wenn gespielt wurde, dann bekam jeder Tisch das selbe Spiel. So mußte man sich auch mal mit weniger geliebten Dingen beschäftigen Was ich besonders gemocht habe war "Malefiz".

Wurde gelesen, dann meistens die selber mitgebrachte Literatur oder wenn man die vergessen hatte gabs dann noch "den Tierfreund", eine Zeitschriftenreihe, die absolut koscher war und für die Klasse bestellt wurde, oder man griff auf den Buchbestand der Klasse zurück und mußte sich da hingegen mit "Peter Roseggers Waldbauernbub" begnügen.

Der Fernseher blieb meistens aus, er wurde nur dazu benützt Sendungen des BR zu empfangen, wie "Unter unserem Himmel" und unter der Woche die Schulsendungen in Englisch "ON WE GO", wo wir auch das Begleitbuch dazu hatten. Der Fortschritt war also auch hier schon eingezogen.
Zu meinem Leidwesen wurde am Samstag auch noch sehr oft die Sportschau angesehen, da lernte ich oft lieber Vokabeln, als den Ball zu verfolgen.



 

An folgende Klassenkameraden der 6 b  kann ich mich noch erinnern:
 

Klassenfoto der 6b

Karaduman Andreas (nicht auf dem Foto)
 

obere Reihe von links:

(1) Biersack Wolfgang
(2) Gehmayr Robert
(3) Weinzierl Stefan
(4) Irl Franz
(5) ???
(6) Müller Werner
(7) ???
(8) Hufer Rüdiger
(9) Sigl Franz
(10) Geiger Franz

mittlere Reihe von links:

(1) ???
(2) Eberl Hermann
(3) Reitberger Alfred
(4) Priller ?, unser Klassensprecher
(5) Wullinger Bernd
(6) Schmucker Hansi
(7) Baier Ralf
(8) ???
(9) Sieber Markus
(10) Stemp Bernd
(11) Ruhland Hannes

unten von links:

(1) ???
(2) Schedlbauer Wilhelm
(3) Stefan Hintermeier, das bin ich !
(4) Helmö Ludwig, ...tolle Stimme
(5) Ketzer Michael
(6) Pichlmeier Robert oder Norbert
(7) Haselberger Berthold
(8) Römisch Clemens
(9) Arbinger Georg
(10) Brummer Uli
 

und natürlich rechts außen unsere Sr. Immolata, die zur Zeit ihren wohlverdienten Ruhestand in Simbach am Inn genießt.


Nichzuvergessen

- unseren Herrn Oberlehrer Einhelinger, der bereits viel zu früh verstarb und von dem wir viel vermittelt bekamen,

- unseren Sportlehrer Herrn Brunner, der mich ja nur von meiner unsportlichen Seite kannte

- unseren Physik/Chemielehrer Herrn Köstler, bei dem ich nie was verstand und dessen Experimente ich meistens nicht mitbekam, da der Pulk um den Katheder immer zu groß war, um die Versuche aus dem Miniaturlabor verfolgen zu können,

- unseren Kaplan an dessen Name ich mich nicht mehr entsinnen kann.
 

...und hier gehts zu unserer HVS-Homepage zum Weiterlesen

 schreib mal wieder...



Nach meinem Internatsjahr erfolgte der Übertritt in die damals asbestbelastete staatliche Realschule Neutraubling. Wahrscheinlich war das der Grund, warum ich mich dort nie so richtig konzentrieren konnte und es mir schwer fiel, die eben aufgenommenen Informationen noch bis zum nächsten Tag zu behalten. Wir lernten bereits aus damaliger Sicht so unnütze Fähigkeiten, wie Steno (ich kann heute nur noch OTTO IST TOT schreiben) oder Maschinenschreiben, von dämlichen Ballspielen und Fächern wie Erziehungskunde einmal abgesehen. Fächer wie Musik, Erdkunde und Biologie gerieten immer mehr ins Abseits. ich hatte mich für den 3.(sozialen) Zweig entschieden, was sowieso ein Quatsch war, aber man muss sich nach der 7. Klasse entscheiden, obwohl man nicht weiss, was man später noch alles braucht. Warum beschränkt man sich nicht auf die Fächer Deutsch, Englisch, Mathe, Rechnungswesen, Musik, Biologie, Erdkunde, Sozialkunde, Physik und Chemie?
Alles andere könnte als Wahlfach dazukommen.
Muss einem denn förmlich der Kopf platzen, nur dass man dann später sagen kann, man hat die MITTLERE REIFE ???
Wenn ich da an den Mist denke, den wir im Werkunterricht alles lernen mussten. Nur Theorie ohne Praxis. Das Geschmiere im Technischen Zeichnen, wo man schon absehen konnte, dass alles nur noch mit CAD erstellt wird. Warum wird einem nicht gesagt, z.B. mit einem kleinen Basicprogramm, warum man Gleichungen lernt? Es gäbe viele Lösungsansätze, aber auf normale Bürger hört man nicht, stattdessen erfahren wir immer neuen Quatsch von unseren Bildungspolitikern.....

Ich arbeite heute nach erlerntem Beruf ELEKTRIKER im Verkauf, nachdem ich einige Jahre in Maschinenbaufirmen als Elektrozeichner tätig war.
Stefan heute
...ja, man wird älter :=)

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